Ich bin überrascht und enttäuscht davon, wie utilitaristisch hier argumentiert wird. Für wie selbstverständlich es gehalten wird, dass unser Staat sowas wie Wehrpflicht überhaupt erst haben dürfen soll. Ganz unabhängig davon, ob das wirtschaftlich sinnvoller ist, und davon, ob es vielleicht für die Gesellschaft von Wert ist, im Sinne von "hat mir eigentlich doch was gebracht", und sogar davon, welche der Varianten man wie gut wofür ge- und missbrauchen könnte. Das für problematisch zu halten, ist keineswegs radikaler gesellschaftlicher Liberalismus. Ginge es um *irgendetwas* anderes als Landesverteidigung (oder noch eine der sehr wenigen Ausnahmen), so wäre das ein glatter Menschenrechtsverstoß laut EMRK. Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Menschenrechtskonvention#Arti... sogar ein Verstoß gegen ein Menschenrecht, von dem in keinem Fall abgewichen werden darf! Wieso sollte hier mit zweierlei Maß gemessen werden? Wieso sollten für Landesverteidigung andere Regeln gelten als für andere Arbeit, die getan werden muss, die aber niemand machen will? Ich lasse mir vielleicht noch einreden, dass man Staaten das Recht gewähren muss, sich gegen andere Staaten zu verteidigen, weil man sich auf die Benevolenz anderer Staaten halt leider nicht verlassen kann. Und dass es Staaten gibt, die dafür die Wehrpflicht nötig haben, weil es wirtschaftlich oder politisch halt wirklich nicht anders geht. Nur: Österreich ist eins der reichsten Länder der Welt, und Teil der EU. Ja, ein Freiwilligenheer ist definitiv machbar. Also sollte man es verdammt noch mal auch machen. Alleine deswegen, weil man sonst nur aufgrund einer juristischen Formalität ein wichtiges Menschenrecht nicht eklatant verletzt. lg, Thomas