>From kosina@cg.tuwien.ac.at Sat May 9 15:29:44 2009 Date: Sat, 9 May 2009 15:29:44 +0200 From: Karin Kosina To: Johannes Hahn Subject: CERN-Austritt Message-ID: <20090509132944.GA8402@sim.no> MIME-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=utf-8 Content-Disposition: inline Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Home-Page: http://kyrah.net X-PGP-Public-Key: 1024D/BE3263FE X-PGP-Fingerprint: 10EA 9B79 1DDB 7535 1AAB 4E8D C2B8 C0AC BE32 63FE User-Agent: Mutt/1.5.18 (2008-05-17) Status: RO Content-Length: 2303 Lines: 53 Sehr geehrter Herr Bundesminister, Ich möchte auf diesem Wege meine Bestürzung darüber zum Ausdruck bringen, dass Sie einen Austritt Österreichs aus dem CERN-Programm planen. Mit größtem Respekt erlaube ich mir, Sie zu ersuchen, in dieser Frage noch einmal den Rat der vielen namhaften österreichischen Experten auf diesem Gebiet einzuholen, z.B. meiner Kollegen an der Technischen Universität Wien, der Akademie der Wissenschaften, oder jeder anderen Universität in unserem Land. Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind viel weitreichender als es auf den ersten Blick scheinen mag. Ich verstehe Ihre Situation und bin mir der Notwendigkeit bewusst, mit den vorhandenen Forschungsmitteln sorsam umzugehen. Gerade der Beitrag zu der historischen Arbeit am CERN ist aber von unschätzbarer Wichtigkeit! Die Bedeutung dieser Forschung in wissenschaftlicher Hinsicht ist von meinen Kollegen aus dem Bereich der Physik bereits umfassend und besser als ich es könnte dargelegt worden. (Ich verweise z.B. auf den offenen Brief von Prof. Dr. Herbert Pietschmann.) Ich möchte deshalb nur noch auf Aspekt hinweisen, der mir von besonderer Wichtigkeit scheint: Wir sind in der Welt der Wissenschaft an einem Punkt angelangt, an dem nur durch das Zusammenspiel der Nationen grundlegende Fortschritte möglich sind. In diesem Sinne ist das CERN nicht nur ein Forschungs- zentrum von wissenschaftlichem Interesse sondern ein Symbol für den europäischen Gedanken von Kooperation und gegenseitiger Bereicherung. Möchten Sie wirklich das Signal senden, dass die Idee des *gemeinsamen* Strebens nach Erkenntnis über die Natur der Dinge für Österreich keine Bedeutung hat? Als Wissenschaftlerin, die gebannt die Forschungen am CERN verfolgt, und als Bürgerin, der der Ruf Österreichs in der internationalen Community am Herzen liegt, appelliere ich deshalb an Sie, diesen Schritt nicht zu tun. Wahre Stärke zeigt sich darin, das Richtige zu tun, auch wenn man dafür einen Irrtum eingestehen muss. Ich weiß, dass Sie diese Stärke haben und dass es Ihnen am Herzen liegt, die beste Lösung zu finden. Daher verbleibe ich bestürzt aber doch hoffnungsvoll, Ihre Karin Kosina -- DI(FH) Karin Kosina Institut für Computergraphik und Algorithmen Technische Universität Wien